Der lange Weg zu meinem Wirtshaus

1990 ließ ich mich auf das Abenteuer eines eigenen Betriebes ein und übernahm das Haus von meinem Vater Karl Jell. 

Was gar nicht so leicht war 1990. Helmut, mein erster Sohn – Vincent (1996) und Laurent (1999) sollten noch folgen –, war gerade mal ein Jahr geworden und Vaters Gäste hatten auch nicht gerade auf das Töchterl als neue Wirtin gewartet. Manche Stammgäste mochten sich nicht an den Umbruch gewöhnen und blieben aus.

Gerede also und mürrische Stammgäste, aber wenig Geschäft. Ich wusste, ich musste meinen eigenen Weg finden. Ich kramte die alten Rezeptbücher meiner Mutter, Großmutter und Urgroßmutter hervor. Schließlich waren ja alle Wirtshausköchinnen gewesen. Die gesammelten Schätze ackerte ich nun durch, auf der Suche nach Rezepten, die den Geist des Gasthauses Jell widerspiegeln sollten.

Natürlich übernahm ich die Angaben nicht originalgetreu. Ich variierte, spielte mit den Zutaten, ergänzte und ließ so manche eigene Vorliebe einfließen. Und das Konzept schlug ein! Bald fanden sich auch erste positive Zeitungsberichte auf den Gourmetseiten der Medien. Meine Wirtshausphilosophie nahm mehr und mehr Konturen an: Die Rezepte alt und bodenständig, mit frischem Pep. Die Zutaten qualitätsvoll und aus der Gegend, soweit möglich. Und die Zubereitung kreativ und mutig.